22 Mai 2012
Toyota GT86

Toyota GT86

Der witzigste Junge in der Klasse

Autotest | Toyota ist immer der bravste Junge in der Klasse. Der Avensis ist nicht spannend oder aufregend, doch geschäftlich mehr als gerechtfertigt. Der Yaris ist das am besten entwickelte kleine Auto auf dem Markt. Der Prius ist das Vorbild für umweltfreundliches Autofahren. Jetzt führt Toyota ein ganz anderes Auto ein: den "GT86". Und der ist dafür vorgesehen, der witzigste Junge der Klasse zu sein.
 

Wer den bravsten Junge der Klasse hat, hat wie von selber einen Vorsprung: brave Lehrlinge verfügen nämlich über sehr viele Kenntnisse. Der Toyota GT86 ist nicht der Kraftprotz der üblichen Art, sondern ein verfeinerter Sportwagen. Die größte Stärke dieses Vergnügungs-Autos ist ein sehr kluger Entwurf.

Beim Entwurf war das Fahrvergnügen das wichtigste. Leistungen sind dabei ein wichtiger Teil, doch nicht allein selig machend. Fahrvergnügen kommt laut Toyota durchaus von der Straßenlage und der Art, wie das Auto mit dem Fahrer kommuniziert.

Der Ausgangspunkt ist ein kleines Auto, denn ein kleines Auto ist von Natur aus leichter und wendiger. Um zu einer optimalen Straßenlage zu kommen, hat Toyota den Schwerpunkt so niedrig wie möglich gelegt. Dabei ist das Gewicht fast gleich über die Vorder- und Hinterreifen verteilt (53/47).

Toyota GT86

Leistungen

Um das Gewicht so wenig möglich im Auto zu konzentrieren, hat Toyota sich für einen sogenannten "Boxermotor" entschieden (aus dem Subaru). Um es einfacher zu sagen, "steht" ein traditioneller Motor, während der Boxermotor "liegt". Ein anderer Vorteil des Boxermotors ist der relativ einfache Entwurf, welcher der Zuverlässigkeit zugute kommt.

Ein Nachteil ist der hohe Verbrauch. Um direkt mit der Tür ins Haus zu fallen: Im Vergleich mit der Konkurrenz liefert der GT86 weniger gute Leistungen bei hohem Verbrauch.

Das heißt ... auf dem Papier. Gefühlsmäßig ist der GT86 nämlich ein super schneller Sportwagen, der sich mit jedem messen kann. Das ist der direkten Reaktion aufs Gaspedal und der Art, wie die Kraft aufgebaut wird, zu verdanken. Der Motor des GT86 macht seine Arbeit ohne Turbo oder andere "Hilfsmittel" und scheint deswegen ständig auf einen Höhepunkt zu zu arbeiten.

Toyota GT86

Die Sensation wird weiterhin durch einen so genannten "sound generator" erhöht. Hierdurch wird das Geräusch des Motors (oder eigentlich: des Lufteinlasses) absichtlich ins Innere hinein gelassen. Draußen ertönt ein gebildetes Geräusch, drinnen ist die Sensation während der Beschleunigung komplett.

Schalten

Der GT86 mit handgeschaltetem Getriebe rennt vom Stillstand auf 100 km/h in 7,6 Sekunden. Das ist schnell, doch einige aus der Konkurrenz können das noch schneller. Die Bremsen sind der Motorleistung gewachsen, aber aggressiv beißen tun sie nie.

Wenn man sich für das (sechsstufige) Automatikgetriebe entscheidet, dauert der Sprint länger: 8,2 Sekunden. Das liegt vor allem an den Getriebeverhältnisse des Automaten, nicht an den Schaltzeiten (0,2 Sekunden). In der Sporteinstellung gibt das Automatikgetriebe zwischendurch Gas, um zu verhindern, dass die Drehzahl des Motors zurückgeht, und das erhöht das Vergnügen. Kurz gesagt: Das Automatikgetriebe beeinträchtigt nicht den sportlichen Charakter.

Toyota GT86

Straßenlage

Bei einem Sportwagen geht es um das Fahrvergnügen, nicht um die Leistungen auf dem Papier. Luxuriöse Geschäftswagen können auf gerader Strecke schneller beschleunigen als mancher Sportwagen. Doch nur ein Sportwagen kommuniziert mit den Fahrer, fordert ihn heraus und macht aus jeder Fahrt ein Vergnügen.

Toyota GT86

Das fängt schon bei der Sitzhaltung an. Der GT86 lädt zu einer aktiven Haltung ein, damit der Fahrer maximale Kontrolle übers Lenkrad hat. Der Sitz ist natürlich tief, damit der Schwerpunkt wieder niedrig wird. Ein kritischer Punkt ist dabei, dass die Rücklehne oben schmaler wird, was für große Fahrer unbequem ist.

Trotz der elektrischen Servolenkung ist die Lenkung direkt und kommunikativ. Das Fahrgestell ist steif, bietet jedoch genügend Komfort, um den GT86 tagtäglich zu benutzen. Dank dieser Kombination fühlt sich das Auto sogar für einen Fahr-Neuling so gut an, dass er/sie wie von selbst schönere Linien lenkt. Ab diesem Moment kommt der GT86 fast zum Leben.

Toyota GT86

Dabei fühlt sich der GT86 leichtfüßig und wendig an, was wieder zum schnelleren Fahren einlädt. Sogar in unbequemen Kurven rutscht der GT86 nie über die Vorderräder weg (Untersteuerung). Wie es sich bei einem Sportwagen gehört, treibt der Motor die Hinterräder an. Das Heck kann dadurch auch kinderleicht zum Ausbrechen verführt werden. Oder, um es positiver zu sagen: Der erfahrene Rennfahrer kann das Auto mit dem Gaspedal lenken.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, hat Toyota den GT86 mit einem äußerst effektiven elektronischen Stabilitätsprogramm ("ESP") versehen. In der Sporteinstellung lässt es extra Freiheit zu, damit sich auch der Fahranfänger wie ein Rennfahrer fühlt, ohne dass die Sicherheit in Gefahr kommt. Der wirklich erfahrene Fahrer kann das ESP komplett abschalten.

Toyota GT86

Berufsverkehr

Einmal ausgetestet kann der GT86 problemlos für den Berufsverkehr genutzt werden. Alle verfügbaren Vorsehungen sind vorhanden, jedoch darf man nicht den Komfort eines Geschäftswagens erwarten. Toyota hat jeden Cent für dieses Auto für maximales Fahrvergnügen ausgegeben, nicht für Ergonomie oder angenehmen Luxus. Leider wurde der GT86 mit Toyotas neuem, einfachem Navigationssystem ausgestattet. Dieses gibt seine Instruktionen weniger klar als Toyotas altes System wie im Prius und im iQ. Der Klang des Audiosystem enttäuscht auch für ein Auto wie dieses.

Der Gepäckraum ist mit 243 Litern ernsthaft nutzbar. Der Rücksitz wird in der Praxis vor allem als extra Ladeplatz genutzt; wegen des minimalen Beinraumes können hier nicht einmal Kinder sitzen. Ein Mitarbeiter von Toyota hat es so erklärt: "Der Rücksitz ist vor allem als Ausrede dafür gedacht, um den GT86 als Familienauto kaufen zu können. Danach werde ich sehen, wie ich das meiner Familie erkläre." Der war damals bestimmt auch der witzigste Junge in seiner Klasse...

Toyota GT86

Fazit

Der bravste Junge der Klasse möchte auch gerne der witzigste Junge der Klasse werden. Eine ausführliche Testfahrt mit dem Toyota GT86 lehrte uns, dass das Ziel mehr als erreicht wurde. Im Vergleich mit der Konkurrenz bietet der Toyota GT86 ohne Zweifel das größte Fahrvergnügen.

Ob der witzigste Junge auch der populärste Junge wird, bleibt jedoch offen. Obwohl sich der GT86 wie ein super schnelles Auto anfühlt, sind die Konkurrenten im absoluten Sinne schneller. Dabei sind sie sowohl beim Kauf als auch im Verbrauch vorteilhafter. Handelt es sich aber um Emotion, dann schlägt der Toyota GT86 sie alle.

plus
  • Vollauf Fahrvergnügen
  • Auch für alltägliche Fahrten nutzbar
  • Optionaler Automatikgetriebe verdirbt nicht den Spaß
min
  • Hoher Verbrauch
  • Rücksitz unbrauchbar
  • Vordersitz zu schmal für große Fahrer