3 Juli 2004
Smart ForFour

Smart ForFour

Geteilter Smart ist halber Smart

Autotest | Smart besteht jetzt seit fünf Jahren. In dieser Zeit hat die eigenwillige Marke ganz schön viel Staub aufgewirbelt. Das begann mit dem Smart ForTwo. Der Zweisitzer entfachte eine wahre Revolution dank seiner kompakten Abmessungen, seinem hohen Sicherheitsniveau und seiner guten Fahreigenschaften. Außerdem bietet der Smart ForTwo eine echte Lösung für das Stau- und Abgasproblem. Kurz darauf folgte der Smart Roadster; zur Zeit eines der schönsten Cabriolets, das unvergleichlichen Fahrspaß bietet. Jetzt bringt Smart den "ForFour" auf den Markt. Welche Neuerungen wird Smarts erstes Vierpersonen Auto bieten?
 

Bereits bei den vorherigen Modellen hatte Smart eine raffinierte Marketing Kampagne für das neue Modell. Das ist nichts Außergewöhnliches, denn Smart hat ein starkes Image aufgebaut, das nicht nur auf den Fahreigenschaften basiert. Die Folge davon ist, daß manch ein Unternehmen gerne mit dem hippen und neuen Image des Smart in Verbindung gebracht werden will, indem man das ganze Auto voller Aufkleber packt. Auch dieses Mal hat das Marketing funktioniert, denn während der Probefahrt zeigte sich, daß fast jeder schon wußte, daß das der neue Smart ist.

Design

Das verdankt der neue Smart natürlich auch seinem auffallenden Design. Genauso wie bei den anderen Smarts ist der "Tridon"- Sicherheitskäfig an der Außenseite sichtbar. Diese geniale Konstruktion ist in einer anderen Farbe lackiert als die Karosserieelemente, wodurch der ForFour noch mehr auffällt. Die "Karosserieelemente" ("body panels") sind einfach und relativ günstig auszutauschen, wenn die Farbe des Wagens einmal nicht mehr gefallen sollte. In den (mit der Hand einzustellenden) Außenspiegeln sind zusätzliche Blinker integriert, wobei man den Einfluß des Mutterkonzerns "Mercedes-Benz" sieht. Außerdem bekommt das verspielte und moderne Design lauter Komplimente während der vielen (Foto)Stops. Smart hat es auch mit dem ForFour geschafft, ein besonderes und anziehendes Modell auf den Markt zu bringen.

Smart ForFour

Vorne

Auch der Innenraum ist unverkennbar Smart. Das Armaturenbrett ist nicht aus Kunststoff, sondern ist mit dem gleichen Stoff wie die Sitze bezogen. Das Design des Armaturenbretts weicht deutlich von der Masse ab. Es hat eine gewölbte Form, wodurch es sich scheinbar von der Windschutzscheibe loslöst. Außerdem sind die Instrumente lose oben drauf plaziert. Der ordentliche Abstand bis zur Windschutzscheibe gibt zusammen mit dem gläsernen Dach der hier gefahrenen "Passion"-Ausführung ein räumliches Gefühl. Aber hier hört dann auch der Vergleich mit dem Smart ForTwo auf, denn der Newcomer ist, nach den Aussagen eines Sprechers von Smart, als Massenprodukt ausgelegt und darum im Ansatz etwas weniger zukunftsweisend. So kann man die Instrumente (Tacho, Drehzahlmesser, Uhr) nicht selber auf dem Armaturenbrett plazieren, drehen oder einteilen. Aber die Mittelkonsole kann nach eigenen Wünschen eingeteilt werden, wenn dies auch nicht so umfangreich möglich ist als beim ForTwo. Das Zündschloß wurde nicht zwischen den Vordersitzen plaziert, sondern an der Lenkradsäule (Verringert das Risiko auf Knieverletzungen).

Man muß schon ein bißchen nach der idealen Sitzposition suchen, denn der Einstellknopf und das Scharnier für die Rückenlehne sind ungewöhnlich hoch angeordnet. Das beeinflußt den gesamten Sitz. Eigentlich sollte der ForFour durch die bequemen Reisesitze positiv auffallen.

Hinten

Viel interessanter als das Platzangebot vorne, ist natürlich das Platzangebot hinten; damit unterscheidet sich der Smart ForFour sehr von den anderen Modellen. Den ForFour gibt es nur als 5-Türer, damit ist der Einstieg hinten auch sehr einfach. Die Rücksitzbank steht auf Gleitschienen und kann deshalb auch bis zu 15cm verschoben werden. Sowohl im Kofferraum als auch unter der Rücksitzbank befindet sich ein Griff, mit dem man die Rücksitzbank verstellen kann, aussteigen und nach hinten Laufen ist darum nicht nötig. In der hintersten Stellung bekommt man mehr Beinfreiheit, in der vordersten mehr Kofferraumvolumen (insgesamt 330 Liter). Wenn man sich für die Einstellung "maximale Beinfreiheit" entscheidet, bietet der ForFour auch hinten genügend Platz für einen Erwachsenen. Aber dennoch bleibt er ein Wagen der Kompaktklasse und nicht der Mittelklasse, deshalb ist das Platzangebot auch nur "ausreichend". Die Kopffreiheit hinten ist etwas niedrig für längere Passagiere. Die Kopfstützen bieten eine ausreichende Verstellmöglichkeit, um auch den längeren Fondspassagieren die nötige Sicherheit und Komfort bieten zu können.

Auch das Kofferraumvolumen entspricht einem Kleinwagen. Es gibt zwar ausreichend Stauraum für den normalen Einkauf, aber wer mit vier Personen in den Urlaub fahren will, sollte nur mit leichtem Gepäck auf Reise gehen. Außerdem fehlt eine Hutablage, so daß der Kofferrauminhalt jederzeit eingesehen werden kann. Als Hersteller von Stadtautos sollte es Smart eigentlich besser wissen. Die Rücksitzbank kann sehr einfach hochgeklappt werden, wodurch ein großes (910 Liter) aber leider unregelmäßig geformtes Ladevolumen entsteht. Außerdem ist die relativ hohe Ladekante sehr unhandlich bei schweren Gepäckstücken.

Smart ForFour

Fahreigenschaften

Beim Smart ForTwo und beim Smart Roadster werden die Fahreigenschaften hauptsächlich durch die Fahrzeuggröße bestimmt. Weil der ForFour gerade eine durchschnittliche Größe hat, sind seine Fahreigenschaften auch nur durchschnittlich. Im Gegensatz zu den anderen Smarts ist der Motor des ForFour vorne untergebracht und mit Vorderradantrieb ausgestattet. Damit entscheidet sich Smart beim ForFour erneut für die gebräuchlichste Antriebslösung.

Dennoch fährt der ForFour durchaus besser als der Durchschnitt. Das Fahrzeug lädt zum richtigen Klamauk ein. Die Grenzen sind sehr weit gesteckt, denn selbst im strömenden Regen ist der Grip so gut, daß das standard ESP und andere Sicherheitsausstattungen kaum zum Einsatz kommen. Der ForFour ist rundum mit Scheibenbremsen ausgerüstet. Für ein Fahrzeug dieses Segments, in dem normalerweise eine Kombination aus Scheiben und Trommelbremsen zum Einsatz kommt, bremst der ForFour sehr gut. Im Bereich aktiver Sicherheit überzeugt der ForFour.

Motor

Wie bereits schon erwähnt, ist das Triebwerk des Smarts vorne unter der Motorhaube zu finden. Aus diesem Grund muß Smart auch nicht gezwungenermaßen den gleichen, kleinen Motor verwenden, wie bei den anderen Modellen, wo einfach kein Platz für einen größeren Motor ist. Dabei ist der ForFour größer und schwerer und das erfordert sowieso einen stärkeren Motor. Der Käufer hat die Auswahl zwischen einem 1.1, 1.3 und 1.5-liter Benzinmotor. Nur der 1.1 ist, genauso wie bei den anderen Smarts, ein sehr sparsamer 3-Zylinder. Die anderen Motoren haben -ganz normal- vier Zylinder. Die laufen dann zwar etwas runder, sind aber im allgemeinen nicht so sparsam. Dieselmotoren kommen erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Alle Motoren können mit Smarts eigenem "Soft Touch" 6-Stufen-Automatikgetriebe kombiniert werden. Standard wird der ForFour mit einem konventionellen, handgeschalteten 5-Gang Getriebe geliefert. Der Testwagen ist mit einem 95 PS starken 1.3-liter Motor und Handschaltung ausgestattet. Damit kommt der ForFour prima im Verkehrsfluß mit und flottes Überholen ist auch kein Problem. Anfänglich lief der Motor etwas rauh und das empfindet man als etwas unkomfortabel. Je mehr wir doch mit dem Testwagen unterwegs waren, desto besser lief der Motor auch. Er wurde immer ruhiger und stiller während seine Lebendigkeit unverändert anhielt.

Smart ForFour

Fazit

Eine ganze Woche und rund 1.000 km fahren, ergaben ganz gemischte Gefühle für den Smart ForFour. Diesen Smart kann man zwar mit anderen teilen, aber der ForFour ist nur halb so "smart" wie die anderen Modelle. Den Erneuerungsdrang und den eigensinnigen Charakter des Smart ForTwo und Smart Roadster sucht man beim ForFour leider meist vergeblich.

Die anderen Smarts sind in ihrem Segment so fortschrittlich und so außergewöhnlich gut, daß der Smart ForFour auf vielen Gebieten aus dem Rahmen fällt. Sein Basisdesign und die Technik des ForFour sind nur ganz gewöhnlich. Auch seine Fahreigenschaften, das Platzangebot und seine Ausstrahlung sind nur "gut", während man bei den anderen Modellen schon wie verrückt nach neuen Superlativen sucht. Letztendlich ist es sein Sicherheitsniveau, sein Design und sein Image wodurch sich der Smart ForFour aus der Masse abhebt.

plus
  • Sehr sicher
  • Bequeme Sitze
  • Erfolgreiches Design
min
  • Hoher Preis
  • Keine Hutablage
  • Nicht so pfiffig, eigensinnig und zukunftsweisend wie die anderen Smarts