20 August 2003
Volvo S60 (1999 - 2010)

Volvo S60 (1999 - 2010)

Kilometerfresser

Autotest | Im Jahr 2000 wurde der Volvo S60 eingeführt. Das sollte ein Auto sein, das außer der typischen Volvo-Sicherheit, auch mehr Fahrvergnügen bieten sollte. Inzwischen hat der S60 den Markt erobert und das Auto ist mit den neuen Motoren lieferbar.
 

Der Laie muß zweimal hinschauen, um den Volvo S60 zu erkennen. Dank des typischen Volvostils, sind die Autos leicht als Volvo, aber etwas schwieriger Untereinander zu unterscheiden. Der S60 hat das gleiche Fahrgestell wie der S80 und ist deswegen fast genauso groß. Erst wenn die Autos nebeneinander stehen, fällt auf, dass der S80 etwas großzügiger bemessen ist und durch die Verarbeitung etwas gediegener aussieht. Der S60 ist wirklich für den sportlichen Fahrer bestimmt. Obwohl das Fahrgestell genau wie das des S80 ist, ist die Platzierung der Räder doch etwas anders. Deswegen ist die Gewichtsverteilung etwas günstiger und das merkt man auch sofort in den Fahreigenschaften.

Volvo S60 (1999 - 2010)

Sportlich

Komfort steht immer noch an erster Stelle, aber jetzt mit einem sportlichen Unterton. Außer dem sicheren und soliden Gefühl, kommuniziert der S60 besser mit dem Fahrer. Die Reaktionen des Wagens auf das Lenkrad sind etwas direkter und auch das Fahrgestell erzeugt mehr Gefühl. Es geht hier eher um einen sportlichen Unterton, weil die Servolenkung leider noch immer deutlich anwesend ist und vor allem um die Reaktion auf jede Handlung, die das sportliche Gefühl verleiht. In schnell genommenen Kurven, nickt das Auto noch immer mit der Seite, aber jetzt fühlt man besser, wo die Grenzen liegen. Dank der günstigen Gewichtsverteilung liegen die Grenzen innerhalb eines sehr umfangreichen Sicherheitsbereiches.

Das Testauto ist mit dem erst kürzlich eingeführten 2.4-Liter Diesel ausgestattet. Dieser ist mit Volvos "Low Pressure" Turbo ausgestattet. Der gebräuchlichere "High Pressure" Turbo arbeitet erst bei einer relativ hohen Umdrehungszahl. Das hat Folgen – so ein Turbomotor arbeitet bei niedrigen Umdrehungszahlen mittelmäßig und bei hohen, wenn der Turbo unterstützen kann, gibt er plötzlich viel Power. Volvos "Low Pressure" Turbo verteilt die Power über einen breiteren Drehzahlbereich und verhindert dadurch die plötzliche Zunahme der Motorleistung. Obwohl der Motor jetzt viel Power bietet, ist die maximale Kapazität kleiner, als bei einem "High Pressure" Turbo. Dennoch ist die Leistung dieses 5-Zylinder Diesel sehr gut und das Auto mangelt es nie an Power. Außerdem trägt die Wahl des "Low Pressure" Turbo merklich zum Komfort bei. Da das Triebwerk außergewöhnlich leise ist und der Motor immer Extrakapazität hat, wird das Schalten manchmal vergessen. Der Verbrauch während der Testfahrten, sowohl auf der Autobahn als auch auf der Landstraße, liegt bei vorbildlichen 5.5 Liter/100 km.

Design

Die Designer haben sich viel Mühe mit dem Innenraum gegeben. Am meisten auffallend ist der Schaltknüppel. Dieser Knüppel ist nicht in den üblichen Lederbezug gefaßt. Anstatt dessen ist der Knüppel in vollständig geschlossene Ebene gefaßt worden. Das ist ein Extra unter dem Namen "Spaceball" und formt ein einfach originales Design-Element.

Der Fahrersitz ist relativ hoch und die Farben des Innenraumes sind hell und freulich. Deswegen fühlen sich die Insassenen auch nicht eingeengt. Der S60 ist, genauso wie die anderen Volvos, sehr eigenwillig im Bereich Design und Ergonomie ausgelegt. Ein Beispiel dafür ist die Bordcomputerbedienung mit einem Drehschalter an einem der Steuerungshebel, um einfach die Daten durchzublättern. Die Ausstattung des Testautos ist dank "Dynamic line" vollständig, mit u.a. links/rechts getrennt regelbarer Klimaanlage, Sitzheizung, Scheinwerfer-Wischern, Tempomat und einem Audiosystem.

Das Letztere verdient eine besondere Aufmerksamkeit. Das schon früher gefahrene Volvo C70 Cabrio hat momentan das beste Audiosystem eines Serienautos. Aber auch dieses viel einfachere Audiosystem klingt ausgezeichnet. Der Klang ist voll und klar, das Stereoabbild gut in der Balance und das Volumen ist ausreichend, um -wenn gewünscht- kräftig zu feiern. Da die Sicherheit an erster Stelle steht, kann man das ganze System S vom Lenkrad aus bedienen. Die einzige Option die fehlt, ist ein Parksensor. Die ansteigende Rückseite und die breiten Schultern machen das Auto unübersichtlicher und deswegen ist so ein Sensor besonders empfehlenswert.

Sicherheit

Wie bei jedem Volvo steht die Sicherheit an der ersten Stelle. Die Marke folgt dabei ihrem eigenen Kurs. Laut Volvo ist der populäre EuroNCAP Crashtest eine gute Richtlinie für die Sicherheit, aber die Resultate sind nicht sehr befriedigend. Da jedes Auto in der gleichen Art und Weise getestet wird, sind die Resultate vergleichbar. Dies hat aber gleichzeitig auch den Nachteil, daß sich die Produzenten nicht -auf den für diese Tests wichtigen Punkte- konzentrieren können. Deswegen entscheidet sich Volvo auch dafür, selber Tests durchzuführen und die Sicherheit -so viel wie möglich- in der Praxis abzustimmen. Aber, wie viele Kilometer auch mit dem Testauto abgelegt worden sind, Sicherheit ist (zum Glück?) nie getestet worden. Eine gute aktive Sicherheit beansprucht die passive Sicherheit nicht. Gerade in diesem Bereich punktet der S60 sehr hoch.

Volvo S60 (1999 - 2010)

Fazit

Der Volvo S60 bietet einen sportlichen Komfort. Damit bietet das Auto merklich mehr Fahrvergnügen, als ein durchschnittlicher Volvo. Es geht hier ausdrücklich um eine Nuance, weil der S60 kein Sportwagen sondern vor allem ein komfortabler Reisegefährte für die (sehr) langen Strecken ist. Das wird zusätzlich noch durch seinen schönen, wie auch luxuriösen Innenraum angenehm untermalt. Schließlich fährt Volvo auch einen eignen Kurs im Bereich Sicherheit, so daß der Fahrer weiß, daß jede Fahrt auch ein sicheres Ende hat.

plus
  • Viel Sicherheit
  • Netter Low-Pressure Turbomotor
  • Straßenlage ist lebendiger als beim S80
min
  • Mäßiges Preis-Leistungsverhältnis
  • Fahrvergnügen noch immer nicht wie bei der Konkurrenz