12 Juli 2016
Volkswagen Tiguan

Volkswagen Tiguan

Expedition Hinterland

Autotest | Wer an einen Geländewagen denkt, denkt an exotische Reisen in unerforschte Gebiete. Zwischen dem Alltag und dem großen Abenteuer steht nur der Kauf des richtigen Autos. So scheint es. Doch die meisten SUVs kommen in der Praxis nicht viel weiter als ins Hinterland. Volkswagen geht es clever an mit dem Tiguan...
 

Die erste Generation des Volkswagen Tiguan wurde im Jahre 2007 eingeführt. Seitdem wurden 2,8 Millionen Exemplare in 170 verschiedene Länder verkauft. Das Konzept hat sich also bewährt!

Volkswagen ist sich nämlich dessen bewusst, dass der Tiguan kein Geländewagen, sondern ein SUVs (Sport Utility Vehicle) ist. Deshalb steht auch bei dieser zweiten Generation die Vielseitigkeit im Mittelpunkt, und es geht nicht um Geländefähigkeiten. Volkswagen wählt daher robuste Proportionen und verbindet diese mit klaren Linien.

Platz

Besonders deutlich wird das beim Einsteigen, denn das Interieur ist genau so sauber und von einer guten Qualität wie bei allen anderen Volkswagen. Der Tiguan unterscheidet sich von anderen Volkswagen durch die Sitzposition. Der Fahrer schaut von einem hohen Sitz über eine große Motorhaube hinaus und hat das Gefühl, ein mächtiges Auto zu fahren.

Volkswagen Tiguan

Der Tiguan fühlt sich nicht nur groß an, er ist es auch. Kopf- und Fußraum vorne sind großzügig, wenn auch durchschnittlich für ein Auto wie dieses. Die Rücksitzbank ist auf Schienen angebracht, und mit dem Rücksitz in der hintersten Position ist die Beinfreiheit im Fond mit Abstand die größte im Segment. Indem der Rücksitz ganz nach vorne geschoben wird, glänzt der Tiguan geradezu mit viel Gepäckraum.

Volkswagen Tiguan

Der Tiguan verfügt über die gleichen Komfort- und Sicherheitsfunktionen wie die anderen Volkswagen. Kameras und andere Sensoren überwachen die Fahrt und geben entweder ein Signal oder greifen ein, um die Sicherheit zu verbessern. LED-Leuchten bieten dazu eine bessere Sicht in Kombination mit weniger Energieverbrauch.

Das optionale Audiosystem vom Spezialisten Dynaudio ist sehr zu empfehlen: Es klingt hell und hat ein bemerkenswert gutes Klangbild (Positionierung von Instrumenten und Gesang im Auto). Dank der Unterstützung von 'Android Auto' und 'Apple Carplay' ist auch die Integration von Smartphones gut geregelt.

Die Uhren (Drehzahlmesser und Tachometer) wurden durch einen großen Bildschirm ersetzt. Der Vorteil besteht darin, dass der Fahrer selber eine Auswahl treffen kann, welche Informationen in welcher Art und Weise angezeigt werden. Witziges Detail: Schwestermarke Audi preist die gleiche Funktionalität als das neueste Weltwunder an; Volkswagen bemerkt es nebenbei. Noch praktischer als dieser selbst einteilbare Bildschirm ist das "Head-up-Display", womit die am häufigsten verwendeten Informationen in das Sichtfeld des Fahrers projiziert werden.

Volkswagen Tiguan

Diesel

Der Tiguan ist mit vier Benziner- und vier Dieselmotoren lieferbar.

Zuerst fuhren wir mit dem 2,0-Liter-Dieselmotor, der eine Leistung von 150 PS / 340 Nm (Vorderradantrieb) hat. Damit liefert der Tiguan nahezu die gleiche Leistung wie die SUVs anderer Marken. Dennoch ist der Tiguan etwas schneller (höhere Höchstgeschwindigkeit und flotterer Sprint aus dem Stillstand), dank seines deutlich geringeren Gewichts.

Darüber hinaus baut der Dieselmotor von Volkswagen die Leistung unterschiedlich auf. Viele Marken versuchen, die Leistung so konstant wie möglich zu halten, unabhängig von der Drehzahl. Das sorgt für Ruhe und Komfort. Volkswagens TDI-Motoren liefern im unteren Bereich eher niedrige Drehzahlen, um die Leistung dann im Gleichschritt mit höheren Drehzahlen zu steigern. Das gibt dem Volkswagen Diesel viel mehr Charakter. Außerdem scheint das Auto somit schneller. Dennoch ist das Eine nicht besser als das Andere, es ist eine Frage des Geschmacks.

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Benziner

Bei der Wahl des 180 PS / 320 Nm Benziners ist der Unterschied zu anderen Marken noch größer. Der "2.0 TSI" ist mit einem Automatikgetriebe mit Doppelkupplung ("DSG") ausgerüstet, und der hält die Geschwindigkeit vorzugsweise so niedrig wie möglich. In der Stadt ist die Drehzahl so gering (etwa 1.500 Umdrehungen pro Minute), dass der Motor gerade noch nicht "bockt" und deshalb manchmal klingt wie ein Diesel!

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Wenn der TSI-Motor in Fahrt gekommen ist, hat er immer eine herrliche Reserve parat und kann geradezu bissig reagieren. Auch mit einem Benziner ist die Leistung des Tiguan in etwa gleich zu der seiner Konkurrenz, die endgültige Leistung ist aber wiederum besser.

Im Gelände

Die Entwicklung eines SUVs stellt Fahrzeughersteller immer vor die gleiche Frage: Sollten wir uns auf die Fähigkeiten im Gelände konzentrieren oder auf solche für die Straße? Für den Tiguan hat Volkswagen eine besondere Entscheidung getroffen: Das Fahrgestell ist in erster Linie für den Einsatz auf öffentlichen Straßen ausgelegt, aber trotzdem ist das Auto mit Geländetechnik lieferbar.

Das erscheint widersprüchlich, denn wenn ein Auto nicht für die Verwendung im Gelände gedacht ist, dann ist die dazu gehörende Technik nicht erforderlich. Aber Volkswagen sieht den Tiguan nicht als Geländewagen, sondern als Auto für den Wintersport oder das Hinterland. Es wurden daher keine außergewöhnlich hohe Bodenfreiheit (180 mm) und spezielle Reifen gewählt, sondern man sich für Allradantrieb und intelligente Elektronik entschieden. Letzteres ersetzt aufwändige Mechanik, wie zum Beispiel eine Differenzialsperre oder ein Differenzialgetriebe.

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Da alles elektronisch gesteuert wird, wählt man per Drehknopf den Einsatz auf öffentlichen Straßen, im Gelände oder im Schnee. Im Gelände ändert sich die Reaktion auf das Gaspedal (weniger direkt, um durchdrehende Räder oder sogar ein spontanes Eingraben zu verhindern), das Auto bremst automatisch während eines Abstiegs, und der Allradantrieb greift ein, falls erforderlich.

Während mehrerer Geländetests meisterte der Tiguan steile Hänge (der Überhang vorne und hinten ist angenehm kurz, um das Festfahren auf den Stoßstangen zu vermeiden), und der Computer machte das Geländefahren zu einem Kinderspiel.

Volkswagen Tiguan

Straßenlage

Dennoch fühlt sich der Tiguan am meisten auf der Straße wie zu Hause. Trotz hohem Schwerpunkt hat der Tiguan eine genau so gute Straßenlage wie die traditionellen Volkswagen. Das ist klug, denn viele SUVs verlangen eine leicht veränderte Fahrweise, zum Beispiel wegen einer schlechteren Straßenlage oder eines längeren Bremswegs.

Und dennoch sind die Fahreigenschaften zugleich der stärkste und der schwächste Punkt des Tiguan. Zunächst scheint es bedauerlich, dass der Tiguan nicht interessanter zu Fahren ist als ein durchschnittliches Auto. Aber das ist genau der Grund, weshalb das Modell so erfolgreich wurde: ein Extra an Ausstrahlung und Funktionalität, aber dennoch alle Eigenschaften eines Volkswagen.

Volkswagen Tiguan

Fazit

Volkswagen weiß nur allzu gut: Bei SUVs geht es ums Gefühl. Der Kunde fragt nach einem leistungsfähigen Geländewagen, sucht aber in Wirklichkeit eine attraktiven Verpackung und extra Funktionalität.

Die erste Generation dieser mittelgroßen SUVs erfüllt all diese Anforderungen. Die zweite Generation des Volkswagen Tiguan ist noch stärker an den Stellen, die wichtig sind: mehr Platz, mehr Sicherheit, mehr Komfort, eine vollständige Integration der Smartphones und ein bemerkenswert gutes Handling. Und falls es mal notwendig wird, kann jeder dank intelligenter Elektronik leicht im Gelände fahren. Mission erfüllt!

plus
  • Geräumig und praktisch
  • Relativ sparsamer 2.0 TDI motor
  • Ausgezeichnete Straßenlage
min
  • Wenig Charakter
  • Hoher Verbrauch mit 2.0 TSI Motor