10 April 2016
Toyota Prius

Toyota Prius

Immer vorne

Autotest | "Prius" bedeutet "vorausgehen", womit Toyota andeuten möchte, dass sie innovativ sind. Und diese Behauptung erfüllt Toyota mit dem Prius. Als Toyota 1997 den ersten Hybrid eingeführt hatte, lachten die anderen Autohersteller sie aus. Nun bieten andere Marken auch Hybrid-Modelle an. Was bietet die vierte Generation des Toyota Prius, damit er wieder vorne ist?
 

Im Laufe der Jahre hat sich der Toyota Prius einen Ruf als ein äußerst innovatives und umweltfreundliches Auto erworben, aber eben nicht mehr als das. Mit dem neuen Prius will Toyota mehr: Toyota will, dass der Prius ein begehrenswertes Auto wird und nicht nur Idealisten anzieht.

Begehrenswert zu sein hängt meistens mit dem Aussehen zusammen, und deswegen hat Toyota mehr als zuvor auf dieses geachtet, um das Begehren zu erwecken. Das Aussehen des Prius ist buchstäblich und bildlich mit harten, geraden Linien angeschärft. Obwohl Toyota dabei die "Windkanal-Form" aufgegeben hat, ist die Stromlinie dennoch besser als je zuvor. Das kommt sowohl dem Verbrauch als auch dem Komfort (Geräusche) zu gute.

Toyota Prius

Geblieben ist das futuristisch anmutende Interieur. Nur in der Mitte des Armaturenbretts findet man Knöpfe und Displays, ansonsten ist der Innenraum so glatt, dass es fast futuristisch aussieht. Ein Nachteil: Wie schön auch ein weißes Armaturenbrett beim Händler aussieht, die Erfahrung zeigt, dass dieses sich unangenehm in der Windschutzscheibe spiegelt. Damit geht der Spaß daran schnell verloren.

Ausstattung

Der Prius ist, abhängig von dem gewählten Ausstattungsniveau, mit allen denkbaren Komfort- und Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet, die man von einem Auto in dieser Klasse erwartet.

Toyota Prius

Darüber hinaus bietet der Prius einige einzigartige Vorkehrungen. So kann beispielsweise ein Mobiltelefon drahtlos aufgeladen werden. Das hört sich aber besser an als es in Wirklichkeit ist, weil der Behälter, in den das Telefon gelegt werden muss, so glatt und flach ist, dass das Handy bereits in der ersten Kurve rausfliegt. Außerdem gibt es nur wenige Handys, welche das von Toyota verwendete "Qi" unterstützen.

Viel nützlicher ist die intelligente Rückfahrhilfe. Diese beschränkt sich nicht nur auf Kamera und Tonsignale; wenn der Prius zu nahe an ein Hindernis (mindestens 60 cm hoch) kommt, bremst das Auto von selbst. Eigentlich ganz logisch, aber niemand hat hier vorher dran gedacht. Auch clever: Die Klimaanlage kühlt oder heizt nur die Bereiche, wo tatsächlich jemand sitzt; dies erspart bis zu 2,4 % an Kraftstoff!

Toyota Prius

Hybrid: die Theorie

Geblieben ist der Hybridantrieb. Wie immer gibt es den Hybrid-Antriebsstrang von einem Benziner und einem Elektromotor. Die Idee dahinter ist, dass Benzin sich prima für hohe und konstante Geschwindigkeiten eignet. Ein Elektromotor ist der effizienteste bei niedrigeren und fortwährend wechselnden Geschwindigkeiten. Durch die Kombination der beiden ist das Auto ingesamt effizienter.

Der Strom für den Elektromotor wird während der Fahrt beim Bremsen und Ausrollen erzeugt, daher braucht man den Prius nie ans Stromnetz anzuschließen. Der Computer entscheidet, wann welcher Motor läuft, der Fahrer muss sich darüber keine Gedanken machen. Wer das möchte, kann den Charakter des Fahrzeugs durch die Wahl aus normalem, sportlichem oder wirtschaftlichem Programm beeinflussen.

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Hybrid: die Praxis

Als Toyota im Jahr 1997 den ersten Hybrid vorstellte, wurde die Marke noch herzlichst von den anderen Herstellern ausgelacht. Jetzt sieht die Situation aber schon anders aus! Viele der Marken, die damals gelacht haben, bieten jetzt - endlich - ihre ersten Hybrid-Modelle an. Und darin liegt der Unterschied: Toyota hat bereits seit fast zwanzig Jahren Erfahrung mit dieser Technik.

Toyota Prius

Die Kombination aus Benzinmotor und Elektromotor ist daher auch bereits wesentlich verfeinert worden. Genau wie bei den anderen Marken und ebenso wie bei den früheren Generationen des Prius ist der Elektromotor grundsätzlich in der Stadt und der Benziner auf den Landstraßen aktiv. Aber der Spielraum ist jetzt viel weniger streng begrenzt. Bei hohen Geschwindigkeiten unterstützt der Elektromotor nur, bis zu 100 km/h wird das Auto jetzt aber vollständig elektrisch angetrieben.

Wichtiger ist, dass die Leistung noch fließender aufgebaut wird. Zugleich ist die Reaktion auf das Gaspedal direkter geworden, und der Motor "beißt" besser, wenn nötig. Der störende "nervige" Klang des kontinuierlich schaltenden Getriebes (CVT) gehört der Vergangenheit an. Dank einer besseren Zusammenarbeit zwischen den beiden Motoren muss der gesamte Antrieb weniger hart arbeiten, um die gleiche Leistung zu erbringen. Das trägt zum Komfort bei und macht es leichter, wirtschaftlich zu fahren.

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Verbrauch

Während mehrerer Testfahrten schwankte der Verbrauch zwischen 4,1 und 4,4 Liter pro 100 km. Selbst wenn rasant gefahren wird, kommt der Verbrauch selten über mehr als 5 Liter pro 100 km. Das ist zwar wesentlich mehr, als die Broschüre (3,0 Liter pro 100 km) verspricht, aber immer noch bedeutend weniger als selbst beim effizientesten Diesel-Wettbewerber! Darüber hinaus ist die Zusammensetzung der Abgase eines Benzinmotors viel weniger schädlich als die eines Diesels.

Toyota ist sehr zurückhaltend, wenn es um die Batterie-Technologie geht. Für den neuen Prius hat sich Toyota nicht für Lithium-Ionen-Batterien entschieden, sondern für das bereits veraltete Nickel-Metallhydrid. Der Grund dafür ist, dass diese Batterien billiger sind und Toyota ein großes Netzwerk für die Wiederverwendung von genau dieser Art von Batterien aufgebaut hat.

Straßenlage

Neben dem verfeinerten Antrieb sorgen auch das Fahrgestell und sogar die Sitzposition für mehr Fahrspaß. Fortan sitzt der Fahrer viel mehr "in" anstelle von "auf" dem Auto. Gerade diese neue Sitzposition gibt ein gutes Gefühl und Gespür für das Auto (obwohl das Lenkrad für größere Strecken gerne einstellbar sein dürfte).

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Auch wichtig: Dank extrem dünner A-Säulen (der Balken zwischen Windschutzscheibe und den vorderen Seitenscheiben) ist die Sicht nach vorne und rundum besonders gut. Dies fällt vielleicht nicht sofort auf, aber auf langer Sicht macht es das Fahren mit dem Prius weniger anstrengend.

Die Batterien, die für den Elektromotor erforderlich sind, sind unter dem Rücksitz eingebaut. Dank ihrer zentralen und platzsparenden Unterbringung im Auto ist der Prius extrem stabil in den Kurven. Die Lenkung ist nicht zu leicht oder zu schwer, sondern genau richtig. Das einzige "grüne" Auto, das noch besser lenkt, ist Toyotas eigener Mirai.

Toyota Prius

Fazit

Toyota stand mit der vierten Generation des Prius vor einer großen Herausforderung. Die erste Generation (1997) hatte keine Konkurrenz. Mittlerweile aber bieten viele Marken Hybrid-Autos an. Toyota unterscheidet sich von diesen durch die bereits jahrelange Erfahrung mit dieser Benzinspar-Technologie und benutzt dies nicht nur, um sie zu verbessern, sondern vor allem auch, damit das Fahren mehr Spaß macht.

Der neue Prius ist nicht nur wirtschaftlicher als das kleinste Stadtauto und sauberer als der sauberste Diesel, sondern fährt jetzt auch noch besser. Darüber hinaus wurde das Design geschärft, und die (Sicherheits-)Ausstattung ist mehr als komplett. Der Prius ist daher nicht nur klüger als vorher, sondern auch viel begehrenswerter.

plus
  • Guter Preis
  • Der sparsamste seiner Klasse
  • Ausgezeichnete Fahreigenschaften
min
  • Mäßiger Kopfraum im Fond
  • Verbrauch laut Herstellerangabe kaum zu realisieren
  • Ablage für das Aufladen von Handys ist zu glatt und flach