6 November 2015
Jaguar XE

Jaguar XE

XEnophobie

Autotest | Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit) ist die Angst vor dem Unbekannten und Fremden. Auch diejenigen, die ein Auto kaufen, halten gerne zu den bekannten Marken. Schließlich ist es eine teure Anschaffung, die jahrelang halten sollte. Wieviel Prestige ein Name wie "Jaguar" auch mit sich bringt, die Angst zu wechseln, ist groß. Der "XE" sollte diesen Wechsel erleichtern ...
 

Der XE ist der neue Einsteiger-Jaguar. Mit dem XE will Jaguar eine Alternative zu den herkömmlichen Autos wie Ford Mondeo und Volkswagen Passat bieten. Jaguar ist dabei sicherlich nicht der einzige; auch BMW, Audi, Mercedes-Benz und Lexus haben einen Premium-Firmenwagen im Programm.

Jaguar unterscheidet sich in erster Linie durch das Image. Entgegen den stillierten Deutschen und den futuristischen Japanern kommt Jaguar mit einem unverwechselbaren britischen Charme.

Jaguar XE

Der Schwerpunkt liegt dabei auf Sportlichkeit. Der XE ist nicht der klassische Jaguar, der für den Zigarren rauchenden und Schnaps trinkenden alten Mann gedacht ist, mit welchem die Marke so oft assoziiert wird. Mit einer sportlichen Optik richtet sich Jaguar speziell an jüngere Kunden.

Ausstattung

Daher ist der XE auch mit moderner Technik überladen. Bis auf automatisches Großlicht bietet dieses Auto allen Luxus und alle Sicherheits-Features, die die großen Marken auch bieten. Denken Sie an Head-Up Display, Keyless Entry, Radar (automatische Abstandhaltung), gesteuerten Tempomat, eine Kamera, die Verkehrszeichen liest, Blind Spot Detection, elektrisch bedienbare Heckklappe und vieles mehr.

Jaguar XE

Sehr speziell ist das ASPC (All Surface Progress Control), das von der Schwestermarke Land Rover "ausgeliehen" wurde. Dank dieser besonderen Form der Traktionskontrolle ist der XE bei niedriger Geschwindigkeit auf rutschigem Untergrund und sogar bei Steigungen stabiler.

Dem neuesten Trend entsprechend wurden die Möglichkeiten des "Infotainment" -Systems durch Anwendungen erweitert, die auf dem Smartphone des Fahrers laufen. Diese so genannten "InControl"-Apps aber stecken zum Zeitpunkt des Schreibens noch in den Kinderschuhen. Darüber hinaus sind diese nun in Bezug auf Funktionalität bereits von Apple Car und AndroidAuto überholt worden, die leider nicht vom System im Jaguar unterstützt werden. Beachten Sie, dass ein Navigationssystem immer eine Option ist, auch wenn das Fahrzeug bereits mit einem Display und einer Audioanlage ausgestattet ist.

Jaguar XE

Platz

Was fehlt, ist das großzügige und privilegierte Gefühl, das für einen Jaguar harakteristisch ist. Die Insassen bekommen nicht das Gefühl, in einem ganz besonderen Auto zu sitzen. Die Materialien und die Verarbeitungsqualität sind nicht die eines "Premium"-Produktes, und nicht einmal viel besser als die einer durchschnittlichen Marke; nicht weil Jaguar schlecht ist, sondern weil gewöhnliche Marken heute so gut sind. Sogar das Audiosystem vom Spezialisten Meridian (80-Watt-Version) klingt kaum besser als ein Basis-Audiosystem einer gewöhnlichen Marke.

Statt für Überfluss steht der XE auch hier wiederum für Sportlichkeit. Der Sitz ist geradezu niedrig, und das Armaturenbrett ist eng um den Fahrer und Beifahrer herum gebaut. Das Lenkrad wurde direkt vom Jaguar-Sportwagen übernommen, vom F-TYPE, und verleiht daher dem XE eine zusätzliche sportliche Note.

Der Kopfraum vorne ist gering, und die Pedale sind zu nahe beieinander. Im Fond sind sowohl Kopf- als auch und Beinraum moderat. Zusammen mit dem überwiegend schwarzen Innenraum des Testwagens ergibt das daher ein fast klaustrophobisches Gefühl.

Jaguar XE

Fahren

Um den XE erschwinglich zu halten, wählte Jaguar relativ kleine Motoren, die dank eines Turbo dennoch eine Menge Leistung liefern. Der Testwagen wurde mit dem 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner ausgestattet (mit dem unlogischen Namen "2.5t"), der gut ist für 240 PS / 340 Nm. Diese Leistung wird mittels eines sehr gut funktionierenden Achtgang-Automatikgetriebes auf die Hinterräder übertragen.

Jaguar XE

Der Charakter des Motors ist stark von der gewählten Betriebsart abhängig. Wenn der Fahrer den "eco"-Modus wählt, ist der XE geradezu zahm. Die Gasannahme ist indirekt, und es muss sogar reichlich Gas gegeben werden, um mit dem Verkehrsfluss mitzukommen. Dies erscheint etwas seltsam, erzeugt aber tatsächlich viel Ruhe, denn das Auto fährt weiterhin bequem, auch wenn "schlampig" mit dem Gas umgesprungen wird.

Wie scharf der Turbo-Motor reagieren kann, stellt sich heraus, wenn der Sport-Modus aktiviert wird. Dann färben sich Tachometer und Drehzahlmesser rot, und es genügt die geringste Bewegung des Gaspedals für eine sofortige Beschleunigung. Da Jaguar sich für einen Turbomotor entschieden hat, wird die Leistung nicht aufgebaut, sondern es "bricht" die volle Leistung auf einmal aus. Herrlich!

Jaguar XE

Dieser zweitstärkste XE ist in der Praxis richtig schnell und hält dabei alle Versprechen von Sportlichkeit. Schade ist, dass das bescheidene Motorgeräusch nicht der beeindruckenden Leistung entspricht.

Straßenlage

Die Gewichtsverteilung auf den Vorder- und Hinterrädern ist fast 50/50. Außerdem hat Jaguar viel Arbeit in Gewichtseinsparungen gesteckt, was zu besseren Leistungen, einem günstigeren Verbrauch und einer besseren Straßenlage führt.

Jaguar XE

Allerdings spürt man davon bei einer normalen Fahrt leider nur sehr wenig. Der XE ist ein bisschen steifer gefedert. Auf schlechten Straßen hört man, wie das Fahrgestell klappert. Die Lenkung ist gut, aber nicht extrem scharf und kommunikativ, wie man das von einem Sportwagen erwarten würde. Mit anderen Worten, beim täglichen Pendeln bietet der XE keinen Mehrwert zu anderen Firmenwagen herkömmlicher Marken.

Der XE zeigt seine wahre Natur nur, wenn mehr als sportliche gefahren wird. Nicht in einer schnellen Kurve, sondern nur in einer sehr schnellen Kurve ist zu spüren, wie schön ausbalanciert der XE ist. Nicht bei einem Slalom, aber wenn das Lenkrad brutal geschlagen wird, greift das "Torque Vectoring" ein, und dann ist spürbar, wie die Kraft perfekt verteilt wird, um die Haftung zu verbessern.

Jaguar XE

Dann merkt man erst, dass das Auto viel mehr ist als ein durchschnittlicher Geschäftswagen. Der XE ist besser steuerbar, stärker fokussiert und lässt den Fahrer spüren, dass die Grenze viel weiter liegt als bei nur irgendeiner Limousine.

Fazit

Ist der Jaguar XE eine ernsthafte Alternative zu einem Dienstwagen einer Alltagsmarke? Ja und nein. Die gute Nachricht ist, dass der XE keine unüberwindlichen Beschwerden kennt und die Marke Jaguar einem breiteren Publikum besser zugänglich macht.

Wenn es um die Ausrüstung und Technologie geht, behauptet sich der XE inmitten der großen Marken. Leider wird der Spaß von verschiedenen "Unvollkommenheiten" gestört, wie unzuverlässige Elektronik und ungerechtfertigte Warnungen. Die beim Test gefahrene 240-PS-Version ist durstiger als ähnliche Fahrzeuge anderer Marken, so dass der XE sowohl in der in der Anschaffung als auch im Gebrauch teurer ist.

Nur wenn mehr als sportlich gefahren wird, kann der XE seine Qualitäten zeigen. Dann ist der XE lebendiger, eifriger und dynamischer als eine Limousine. In allen anderen Fällen weiß man, dass man einen Jaguar fährt, es fehlt aber das privilegierte Gefühl. Schade, aber sicherlich nichts, um Angst davor zu haben.

plus
  • Exclusives Image
  • Starker Turbomotor
  • Ausgezeichnete Straßenlage
min
  • Mäßiger Innenraum
  • Unzuverlässige Elektronik
  • Teuer in Anschaffung und Nutzung