31 Mai 2012
Audi A3

Audi A3

Aller guten Dinge sind drei

Autotest | "Ein veredelter Golf" wurde die erste Generation des Audi A3 spöttisch genannt. Nicht ganz falsch, denn die erste Generation des Audi A3 war zwar ein hochwürdiges Auto, doch das überlegene Audi-Gefühl fehlte. Die zweite Generation unterschied sich durch Technologien, die später oder gar nicht in den Modellen der Muttergesellschaft Volkswagen erschienen waren. Dennoch war auch die zweite Generation A3 kein Vollblut-Audi. Jetzt ist es Zeit für die dritte Generation des Audi A3. Aller guten Dinge sind drei?
 

Für den Preis eines Audi A3 kann man viele Autos kaufen. Diese Autos bringen ihre Insassen genau so gut von A nach B. Doch ein Audi bietet etwas mehr: Emotion. Ein Audi bietet in jeder Hinsicht etwas mehr als üblich, so dass eine Fahrt von A nach B nicht besser, aber angenehmer ist.

Das fängt schon mit dem Äußeren an. Auch der neue A3 ist sofort als ein Audi A3 erkennbar. Sieht man sich das Auto aber etwas länger an, dann sieht man, dass überall mehr gemacht wurde als üblich. Das Linienspiel ist stramm und fast steril, wobei Falten in der Karosserie für Schatten sorgen, welche die Formen betonen. Das ist subtiler als mit Chrom oder Zierleisten umherzuwerfen!

Nicht zu sehen, doch sehr wichtig: für die Karosserie des neuen A3 wurde nicht nur Stahl, sondern auch Aluminium und Kunststoff verwendet. Dadurch konnte das Gewicht um bis zu 80 kg (abhängig von der gewählten Ausführung) reduziert werden, ohne die Sicherheit zu vermindern. Das geringe Gewicht kommt somit auch der Straßenlage und dem Verbrauch zu gute.

Audi A3

Interieur

Nehmen Sie Platz hinter dem Lenkrad, und sofort wird klar, was neu ist am neuen A3. Das Interieur ist viel eleganter als vorher. Außerdem unterscheidet sich der A3 von den größeren Audis dadurch, dass die Sportlichkeit betont wird. Was der A3 aber mit den teuren Modellen teilt, ist die Linie, die von den Türen um das Armaturenbrett herum läuft und das Interieur so zu umarmen scheint.

Kennzeichnend für den neuen A3 ist, dass aller Luxus und alle Sicherheitsvorsehungen, die Audi verfügbar hat, auch in diesem kompakten Modell eingesetzt werden. Man denke dabei an einen Internet-Hotspot im Auto oder dass der A3 selbstständig vor Hindernissen bremst. Genau wie bei anderen Audis gilt, dass tief in den Geldbeutel gegriffen werden muss, um das Auto auszustatten.

Audi A3

Empfehlenswert ist das B&O-Audiosystem. Das hört sich geräumig und kräftig an, ohne ermüdend oder aufdringlich zu werden. Die meisten Komponenten (mit Ausnahme von Tweeters und Verstärker) liegen dann qualitativ auch gleichauf mit den B&O-Systemen der teuren Audis, während der Preis auf "A3-Ebene" liegt. Mit dem B&O System bietet der Audi A3 das am besten klingende Audiosystem, das im Moment in einem kompakten Auto verfügbar ist.

Audi mag immer noch keinen Touchscreen; laut Audi wird er zu schnell schmutzig, und das sei hässlich. Als Alternative wird eine Handschrifterkennung angeboten, doch es stellt sich regelmäßig heraus, dass diese nur träge funktioniert und die Aufmerksamkeit vom Verkehr ablenkt.

Audi A3

Sehr klug ist die "Phone Box". Das Auto funktioniert als Telefonverstärker und hat eine spezielle Telefonantenne auf dem Dach. Das Signal wird in der "Phone Box" (zwischen den Vordersitzen) konzentriert. Indem das Telefon an diese Stelle gelegt wird, hat es einen sehr guten Empfang, womit Akkulaufzeit gespart wird. Außerdem ist die Verbindung und damit die Hörqualität über das Bluetooth-Carkit deshalb viel besser.

Raum

Der Raum vorne ist enorm. Mit dem ganz zurückgestellten Fahrersitz kommen sogar große Fahrer kaum ans Kupplungspedal. Die optionalen Sportsitze sind empfehlenswert. Sie haben nicht nur eine perfekte Passform, sondern sind auch groß. Sogar große Fahrer werden bis über das Schulterblatt unterstützt. Es sind diese Details, mit welchen der A3 mehr Gefallen findet als ein kompaktes Coupé.

Der Beinraum hinten ist nur ein bisschen geringer als durchschnittlich für ein Auto dieses Umfangs. Der Kopfraum hinten ist, wenn man die abgesenkte Dachlinie betrachtet, überraschend gut. Der Gepäckraum ist durchschnittlich groß. Der Ladeboden kann je nach Wahl hoch (keine Hebeschwelle) oder niedrig (maximaler Laderaum) gelegt werden.

Audi A3

Diesel

Audi meldet voller Stolz, dass speziell für den neuen A3 ein neuer 1.6 Liter Dieselmotor entwickelt wurde. Dieser 1.6 TDI ist kennzeichnend für den neuen Audi A3: bescheiden und zugleich überlegen. Sogar diese sparsamste Version (Verbrauch: 3,8 Liter pro 100 km) des A3 erzeugt nämlich nicht das Gefühl, mit einem Basismodell zu fahren. Der Dieselmotor bietet gute Leistungen, reagiert gut auf das Gaspedal und ist vor allem äußerst verfeinert.

Audi A3

Der 2.0 Liter Dieselmotor ist unbestreitbar stärker (150 PS / 320 Nm) und schneller. Bei einer niedrigen Drehzahl ist aber deutlich spürbar, dass Audi sich für einen niedrigen Verbrauch entschieden hat (4.1 Liter pro 100 km) statt für maximale Leistungen. Nur wenn die Drehzahl über 3.500 rpm kommt, kann dieser stärkste Diesel auf der Preisliste gnadenlos hart beißen. Dennoch wird dem 1.6 TDI der Vorzug gegeben: es bietet gute Leistung und hat einen schöneren, leiseren Lauf.

Benzin

Weniger ökonomisch, jedoch sehr spannend ist der 180 PS / 250 Nm kräftige 1.8 TFSI Benzinmotor. Schon ab 1.100 rpm ist vollauf Zugkraft verfügbar. Damit bietet dieser Benzinmotor mehr Souplesse als ein durchschnittlicher Diesel, und das ergibt das überlegene "Audi-Gefühl".

Audi A3

Man drücke das Gaspedal etwas tiefer ein, und dieser komfortable Reisewagen verwandelt sich in einen durchaus giftigen "hot hatch". Buchstäblich innerhalb von einer Sekunde geht die Drehzahl hoch von 2.000 auf 5.000 rpm. Der Sprint von 0 bis 100 km/h dauert 7,2 Sekunden, aber auch über diese Geschwindigkeit hinaus imponiert der 1.8 TFSI mit superschnellen Zwischenbeschleunigungen.

Wie es sich bei einem modernen Auto gehört, sind alle Motoren mit einem Stop-/Start-System ausgestattet. Sogar wenn man sich für ein Automatik-Getriebe ("S-tronic") entscheidet, gehört bei Audi ein Schaltindikator dazu. Auch bequem: der Bordcomputer meldet nicht nur den Verbrauch. Um dem Fahrer dabei zu helfen, so effizient wie möglich zu fahren, wird sogar angezeigt, wie viel Brennstoff Zusatzeinrichtungen wie die Klimaanlage verbrauchen.

Audi A3

Straßenlage

Die dritte Generation des Audi A3 ist ein komplett neues Auto, es ist keine Weiterentwicklung der vorherigen Generation. Der A3 ist sogar das erste Auto, welches auf der neuen Plattform gebaut wurde, auf welcher später auch die nächste Generation des VW Golf gebaut wird. Durch das relativ niedrige Gewicht, die direkte Lenkung und das kleine Sportlenkrad ist der A3 besonders wendig.

Die Straßenlage kann komplett auf die Wünsche des Fahrers angepasst werden. Die Version mit dem sportlichen Fahrgestell ist ohne Zweifel die schnellste und sportlichste. Sogar in sehr schnellen Kurven gibt das Auto nicht nach, und die Grenzen der Griffigkeit liegen viel höher als der Mut des durchschnittlichen Fahrers. Dieses Fahrgestell ist jedoch so hart, dass es während einer kurzen Probefahrt gut erscheint, aber auf Dauer unangenehm wird.

Audi A3

Eine Ausführung mit "Audi Drive Select" ist daher eine klügere Entscheidung. Abhängig von der Situation kann der Benutzer damit den Charakter des Fahrgestells (hart/sanft), das Maß bei der Servolenkung (leicht/schwer lenken) und die Reaktion aufs Gaspedal (direkt/indirekt) wählen. Der Unterschied zwischen den verschiedenen Modi ist überdeutlich, womit sich das Auto perfekt an die Wünsche des Fahrers anpasst. Auch das macht ein Auto nicht besser, aber doch wesentlich angenehmer als nur ein kompaktes Coupé.

Fazit

Schon 1996 war der Gedanke hinter dem Audi A3: biete ein kompaktes Auto an, aber mit allen Verfeinerungen, die ein großes Luxus-Auto bietet. Der erste Audi A3 bot mehr Komfort und Raffinessen als andere kleine Coupés. Das Niveau der größeren Audis erreichte der A3 aber nie. Mit der neuen, dritten Generation des Audi A3 ist es endlich gelungen. Der A3 hat die gleiche Verfeinerung, das selbe Ausrüstungsniveau und die selben Techniken wie die größeren Modelle. Der einzige Unterschied ist, dass der A3 dank der kompakteren Abmessungen mehr Fahrvergnügen und mehr Effizienz bietet. Kurz gesagt: aller guten Dinge sind drei.

plus
  • Sportlicher Unterton
  • Hervorstechend / exklusiver Charakter
  • Prima Leistungen, bescheidener Verbrauch
min
  • Mäßiger Beinraum hinten
  • Erst richtig komplett mit (kostspieligen) Optionen
  • Handschrifterkennung ist umständlich und lenkt ab